Engagierte Diskussion zu einem heißen Thema

16.07.2013/Ansbach: PFLEGE vor dem KOLLAPS

Veranstaltung in Ansbach
18.07.2013
130716_Publikum_VA-Pflegekollaps

"Wir unterhalten uns zwar über Probleme bei fachgerechter Pflege und Personalnot und vergessen dabei völlig, dass früher auch mal menschliche Zuwendung fest zur Pflege gehört hat. Die kommt heute in Anbetracht unseres Zeitdrucks und der Finanzierungskrise der Krankenhäuser völlig unter die Räder". So fasste eine Teilnehmerin aus dem Publikum das ganze Dilemma zwischen Anspruch an den eigenen Beruf und dem wirtschaftlichen Druck auf das Gesundheitswesen zusammen.

Diplomsoziologin Tatjana Fuchs konnte zuvor empirische Daten über die Arbeitsbelastung in der Pflege präsentieren, die ein erschreckendes Bild zeichneten: Pflegekräfte glauben weit häufiger als andere Berufsgruppen, dass sie ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben können. Sie sind weit häufiger trotz Krankheit in der Arbeit als andere und schaffen ihre Aufgaben dennoch immer weniger.

Norbert Lechler, ver.di-Vertrauensleutesprecher am Klinikum Ansbach erläuterte anschließend anschaulich, dass die Finanzierunsgkrise der Krankenhäuser keineswegs auf ein Ausgabe- sondern ein politisch gewolltes Einnahmeproblem zurückzuführen ist. Die Einführung von Fallpauschalen ("DRG's") setzte systematisch eine Abwärtsspirale bei der Verweildauer der Patienten in Gang, da nur immer kürzere Verweildauern noch eine Finanzierung des einzelnen Krankenhauses sicherstellen können.


Mit der gut besuchten Veranstaltung wollten ver.di und DGB einen wichtigen Kontrapunkt zur derzeit laufenden Fusionsdiskussion setzen. Der Zufall wollte es, dass just am selben Tag der Fusionsvertrag der Landkreiskliniken mit dem städtischen Krankenhaus unterzeichnet worden war. "Nun wird es Zeit, die eher technische Diskussion um Vertragsgestaltung und Trägervorbehalte zu beenden und wieder die konkrete Situation in der Pflege zu fokussieren" meinte Walter Nees, ver.di Ortsvereinsvorsitzender.

Es bestand Einigkeit über die wesentlichen Forderungen:

  • Pflegekräfte brauchen politische Unterstützung auch aus der Bevölkerung. Die anstehenden Wahlkämpfe sind eine gute Gelegenheit dafür.
  • Das Thema "Gute Arbeit" muss gegenüber der Finanzietrunsgfrage eine höheren Stellenwert erhalten
  • Krankenhäuser brauchen eine solidie Finanzierungsbasis. Die DRG's sind ind er jetzigen Form hierfür untauglich.
  • Das Gesundheitswesen braucht eine solidarische Bürgerversicherung, die von allen Bevölkerungsgruppen mitgetragen wird
  • Im Pflegebereich muss die Pflegeversicherung als Vollversicherung ausgestaltet werden, die Refinanzierung der Pflegeheime und ambulanten Dienste sichergestellt werden

 
130716_Tatjana Fuchs2 - VA Pflege-Kollaps Tatjana Fuchs
130716_Norbert Lechler - VA Pflege-Kollaps
130716_Walter Nees - VA Pflege-Kollaps