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    Jürgen Göppner: "Ich bin dann mal weg"

    Jürgen Göppner: "Ich bin dann mal weg"

    Jürgen Göppner ver.di Jürgen Göppner geht

    Danke!

    Wir müssen uns zum Jahresende von unserem langjährigen Geschäftsführer Jürgen Göppner verabschieden, der die Geschicke unseres Bezirks entscheidend mit gepägt hat. Wir sagen herzlich "danke" für diese Zeit, für die klare politische Kante, für die Mitgestaltung des politischen Lebens in Mittelfranken und für das stets heiße Herz zugunsten der ArbeitnehmenrInnen!

    Aus der "NZ" ...

    Marco Puschner von der Nürnberger Zeitung beschrieb Jürgen in ihrer Ausgabe vom 21.12.2019 wie folgt (Auszüge)

    Arbeitskämpfer hat nun dauerfrei

    (...) Wenn Göppner auf 38 Jahre in Diensten von Arbeitnehmerorganisationen zurückblickt, denkt er vor allem auch an vergangene Tarifauseinandersetzungen. Allerdings nicht nur an die erfolgreichen. Selbstironisch erzählt er davon, wie er als junger Gewerkschaftssekretär anno 1983 versuchte, einen Ausstand der Fernfahrer zu organisieren: „Die Fernfahrer blieben dem Streik jedoch fern.“ Besser lief es 1992, als es gelungen sei, für drei Tage den Flughafen zum Erliegen zu bringen.

    Göppner war in jenen Jahren für die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) tätig. Er avancierte 1999 zu ihrem Geschäftsführer in Mittelfranken, vorher hatte er drei Jahre lang die Stellvertretung inne. 2001 gehörte die ÖTV zu den fünf Gründungsgewerkschaften der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). „Die Fusion war eine Vernunftentscheidung“, sagt Göppner. Er arbeitete zunächst wieder als Vize-Geschäftsführer, bis ihn der ehrenamtliche Vorstand 2006 zum neuen Chef wählte.

    Göppner, seit 1972 SPD-Mitglied, hebt den politischen Anspruch der Organisation hervor. „Es geht Verdi umeine ganzheitliche Interessenvertretung, die nicht an den Betriebstoren endet.“ Gerade deshalb habe er sich dort am richtigen Platz gefühlt. Die Gewerkschaft mische sich in gesellschaftliche Debatten ein, etwa in den Kampf gegen Rechtsradikalismus. (...)

    40000 Bürger sind laut Göppner heute in Mittelfranken in Verdi organisiert. Die Gewinnung neuer Mitglieder sieht er als zentrale Herausforderung: „Wir müssen stärker in der direkten Ansprache werden und den Leuten erklären, warum Gewerkschaften notwendig sind. Das geht am besten über das persönliche Gespräch.“ Mehr Sorgen als die Mitgliederzahl, die sich zuletzt in Mittelfranken stabilisiert habe, bereitet ihm jedoch die Erosion der Tarifbindung: „Das ist hochdramatisch.“ Umso wichtiger sei die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns gewesen, für die Verdi Seite an Seite „mit unserer Schwestergewerkschaft“ Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zehn Jahre lang gestritten habe. Allerdings bräuchte es mehr Kontrollen, um dem Gesetz größere Durchschlagskraft zu verleihen. Zudem müssten die Gewerkschaften noch stärker als bisher das Thema Arbeitszeit wieder auf die Agenda setzen.

    Mit solchen Fragen muss sich der 63-Jährige, der verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, ab 2020 zumindest nicht mehr hauptberuflich auseinandersetzen. Als neue Bezirksgeschäftsführerin übernimmt die bisherige Stellvertreterin Rita Wittmann das Ruder. Der in Zirndorf lebende Göppner wird auch im Ruhestand seinen „Lieblingsstadtteil“ Gostenhof besuchen und dem Club weiter die Treue halten. „Das verlangt mir viel ab.“ Die freie Zeit will er zudem dazu nutzen, verstärkt an der Friedrich-Alexander-Universität als Gasthörer Philosophie-Vorlesungen zu besuchen. Nach all den Jahren in den gewerkschaftlichen Diskursen sei das eine „andere Form des Denkens“, sagt Göppner.

    Abschied von hauptamtlichen MitstreiterInnen

    Von seinen hauptamtlichen KollegInnen verabschiedete sich Jürgen selbst wie folgt:

    Liebe Kolleginnnen und Kollegen,


    nach über 38 Jahren hauptamtlicher Gewerkschaftsarbeit beende ich am 31.12.2019 meinen aktiven Dienst. Mit großer Freude, sehe ich dem neuen Lebensabschnitt und den damit verbundenen Herausforderungen und Abenteuern entgegen. Gleichwohl ich natürlich auch zugeben muss, dass sich unter die Freude auch ein großes Stück Wehmut mischt. So eine lange Zeit kann man natürlich nicht einfach wegstecken. Vor allem dann nicht, wenn einem der Job gefallen hat. Und mir hat meine Tätigkeit bei der ötv und bei ver.di verdammt viel Spaß und Freude bereitet. Zumal meine Arbeit ganz meiner politischen Sozialisation und meinem gewerkschaftlichen Selbstverständis entsprochen hat. Daher gilt mein erster Dank auch meiner (unserer)Organisation, die mir eineTätigkeit ermöglicht hat, die mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung, Entscheidungsfreiheit und Flexibilität in der Ausgestaltung des eigenen Handelns verbunden war. Ich denke wir alle wissen aus unserer täglichen Praxis, dass dies nicht Standard im allgemeinen Berufs- und Arbeitsleben ist. Diesen Umstand, diese Besonderheit habe ich immer geschätzt und gewürdigt.


    Meine unterschiedlichen Aufgaben und Funktionen haben mich im Laufe der Jahrzehnte mit sehr vielen Menschen zusammengebracht. Und viele dieser Menschen werden mir in Erinnerung bleiben. Interessante, kluge, kämpferische, streitbare, charismatische und überaus engagierte Frauen und Männer. Ehren- und hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen, die mich durch die letzten 38 Jahre begleitet, mich unterstützt und mir Wege bereitet haben, mir wichtige Partner*innen waren, die mir bei Erfolgen, aber auch bei Misserfolgen zur Seite standen. Begegnungen mit Menschen, aus denen die einen oder anderen guten Freundschaften entstanden sind, die auch zukünftig Teil meines Lebens sein werden.

    Auch Ihr, die Beschäftigten des Bezirks, gehört zu denen, die mir in guter Erinnerung bleiben werden. Es war eine gute und tolle Zusammenarbeit mit Euch. Wir haben gemeinsam debattiert, manchmal auch gestritten, wir haben gemeinsam gekämpft, gelacht und auch gefeiert. Und eines haben wir zusammen immer wieder unter Beweis gestellt: Wenn es darauf ankam, war unser Bezirk immer aktions- und handlungsfähig.
    Für die gute, kollegiale und solidarisch-kritische Zusammenarbeit der letzten Jahre möchte ich mich bei Euch ganz herzlich bedanken. Ich habe mich bei Euch und mit Euch sehr wohl gefühlt.

    Danke für Eure Geduld, Ein- und Nachsicht, wenn ich nicht immer so gehandelt habe, wie Ihr es Euch gewünscht habt.
    Der Bezirksvorstand hat zwischenzeitlich meine Nachfolge geregelt. Der Bezirk bekommt eine weibliche Doppelspitze. Rita und Gabriele haben mit ihrer Video-Performance und ihrer überzeugenden Präsentation ihre Vielseitigkeit und ihre besonderen Stärken beeindruckend unter Beweis gestellt. Sie werden frischen Wind in den Bezirk bringen und ihre neuen, in die Zukunft führenden Impulse und Schwerpunkte setzen. Unterstützt sie dabei und stellt Euch gemeinsam den zukünftigen Herausforsderungen in ver.di, in unserem Bezirk. Dazu wünsche ich Euch allen viel Erfolg.
    Es wird sicher immer wieder Gelegenheiten geben, bei denen wir uns treffen werden. Darauf freue ich mich schon.


    Herzlichst Euer
    Jürgen Göppner