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    Corona

    Gesundheitsschutz in Pflege- und Betreuungseinrichtungen unzureichend

    27.03.2020
    Wordsalad Arnold Rekittke Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen

    Besserer Schutz gefordert

    ver.di fordert die Arbeitgeber in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und -diensten, Einrichtungen der Behinderten- und Jugendhilfe und im Rettungsdienst dringend auf, die Beschäftigten besser zu schützen. Denn aus Kliniken, Rettungsdiensten, vor allem aber aus Einrichtungen der Altenpflege und der Behindertenhilfe wird berichtet, dass zum Teil Material zur Hygiene und Schutzausrüstung knapp ist oder ganz fehlt. Gerade dort wird aber mit besonders gefährdeten Menschen gearbeitet. Das setzt sowohl die Beschäftigten, als auch die Patient*innen und Bewohner*innen Ansteckungsgefahren aus.

    In den Kliniken müssen aus ver.di-Sicht nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch alle anderen Berufsgruppen und insbesondere die Reinigungskräfte mit der nötigen Schutzausrüstung versorgt werden. Solange die erforderliche Ausrüstung nicht im hinreichenden Maße verfügbar ist, sind besondere Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten vorzusehen. Hilfreich wäre zudem ein regelmäßiger Corona-Test der Beschäftigten in diesen neuralgischen Bereichen, zum eigenen Schutz, aber auch zur Eindämmung der Pandemie, weil man so eventuell infizierte Beschäftigte schnell von Patient*innen und Betreuten fernhalten könnte.

    ver.di Mittelfranken würdigt ausdrücklich, dass die allermeisten Kliniken, Pflege- und Betreuungseinrichtungen in der Region versuchen, gemeinsam mit den betrieblichen Interessenvertretungen und Beschäftigten der mit der Corona-Epidemie verbundenen existenziellen Krise Herr zu werden. Dem Gesundheits- und Sozialwesen kommt hierbei eine eminent wichtige Bedeutung zu.

    Bessere Lösungen mit Mitbestimmung

    Bernhard Bytom, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Gesundheit im ver.di Bezirk Mittelfranken: „Arbeitgeber, welche die Mitbestimmung achten und ihre betrieblichen Interessenvertretungen in den einzurichtenden Krisenstab holen, haben die eindeutig besseren betrieblichen Lösungen. Der Schutz der Beschäftigten muss im Vordergrund stehen, das ist auch gut für Kranke oder Pflegebedürftige. Je mehr Betriebsrat, Personalrat oder Mitarbeitervertretung, desto mehr Sicherheit in der Pandemie. Für Alle.“

    „Alle Bereiche des Sozial- und Gesundheitswesens müssen bei der Verteilung der Schutzausrüstungen berücksichtigt werden, vor allem bei FFP2 bzw. FFP3 Atemschutzmasken. Es gilt: Die volle Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten trägt der Arbeitgeber“, so Bytom. Entscheidend für die nächsten Wochen sei, dass noch genügend Personal aller Berufsgruppen vorhanden ist. Zum Beispiel sollten Schichten auch möglichst getrennt eingesetzt werden, um eine potentielle Infektionskette zu unterbrechen. „Unter den bestehenden Arbeitsbedingungen ist es nicht verwunderlich, dass etliche frühere Pflegekräfte zögern, sich freiwillig zum Einsatz zu melden“, so Bytom. Es sollten nun alle verschiebbaren Eingriffe abgesagt werden, damit auch wirklich alle Ressourcen zur Verfügung stehen, wenn die befürchtete Welle Schwererkrankter komme und eine Überforderung von Pflegekräften und Ärzten vermeiden werden müsse.

    In Teilen der Behindertenhilfe und der Kitas befinden sich zwar viele Beschäftigte im Homeoffice, soweit sie nicht in Wohnheimen arbeiten oder Notbetreuung für Kinder der Eltern in systemrelevanten Berufen leisten. „Dennoch wissen wir, dass es auch Arbeitgeber gibt, die ihre Beschäftigten in diesem Bereich zur Präsenz am Arbeitsplatz zwingen, obwohl längst keine zu Betreuenden mehr anwesend sind, mit denen derzeit vor Ort pädagogisch gearbeitet werden könnte“, berichtete Bytom. Die wären eigentlich ein klassischer Fall fürs Home-Office, wo wichtige Dokumentationen, eigene Fortbildung, Studium von Fachliteratur, aber auch die Begleitung von Eltern und Kindern durch telefonische Sprechstunden erledigt werden könnten. „Schließlich geht es darum, die Kontakte auch unter Kollegen am Arbeitsplatz möglichst gering zu halten. Derzeit gilt die Devise: Abstand rettet Leben“, betonte Bytom.

    Keine Überdehnung der Arbeitszeit!

    Kritisch sieht ver.di auch jüngste gesetzliche Regelungen, welche insbesondere Arbeitszeiten der Beschäftigten in systemkritischen Bereichen überdehnen könnte. Bytom: „Mit überlasteten und kollabierenden Beschäftigten im Gesundheitswesen ist der Kampf gegen Corona nicht zu gewinnen. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten bereits im Normalbetrieb unter Zeitdruck und Hetze. Sie freuen sich über den vielen Zuspruch, wollen aber nicht geopfert werden. Sie brauchen bestmöglichen Schutz. Sofort und vor allem verlässlich“, forderte der Gewerkschafter.