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    Auch für Fürth: ver.di fordert Verbesserungen im Gesundheits- …

    Auch für Fürth: ver.di fordert Verbesserungen im Gesundheits- und Sozialsystem

    29.04.2020

    Fürth, den 29. April 2020

    Offene Briefe an Staatsregierung, Stadt und Klinikum
    ver.di fordert Verbesserungen für das Personal


    Bereits mehr als 170 Betriebs- und Personalratsgremien aus dem bayerischen Gesundheits- und Sozialwesen unterstützen den Offenen Brief der Dienstleis-tungsgewerkschaft ver.di an Ministerpräsident Söder, Gesundheitsministerin Huml und Sozialministerin Trautner, Tendenz weiterhin stark steigend. Mit dabei auch die Betriebs- und Personalräte beim Klinikum Fürth, beim AWO-Kreisver-band Fürth-Stadt und beim AWO-Kreisverband Fürth Land sowie beim BRK Fürth.

    Hilferuf an die Staatsregierung

    Interessenvertretungen aus den Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens in Bayern hatten sich angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie per Offenem Brief mit einem Hilferuf und Forderungen an die Staatsregierung gewandt. „Das Schreiben“, so Bernhard Bytom vom ver.di Bezirk Mittelfranken, „spricht für mehrere zehntausend Beschäftigte in bayerischen Einrichtungen. Innerhalb von drei Tagen haben bereits mehr als 170 Gremien ihre Unterstützung bekundet.“„Unsere Kolleginnen im Gesundheits- und Sozialwesen sind nicht nur derzeit oft über ihre Kräfte hinausgehend im Einsatz. Sie sind sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst. Sie verstehen sich nicht als Held*innen, sondern pro-fessionell tätige Fach- und Hilfskräfte in einem gesellschaftlich sensiblen und systemrelevanten Bereich“, erklärte Anita Zwirner, Personalrätin am Klinikum und Sprecherin der ver.di-Betriebsgruppe. Angesichts der Risiken, die sie tragen, sei die Forderung nach einer angemessenen Vergütung für alle Berufsgruppen dieser Branche deshalb nicht vermessen, sondern nur gerechtfertigt.

    Grundlegende Reform notwendig

    „Leider erleben wir aktuell auch, wie unsere Arbeit durch eine jahrzehntelang verfehlte und auf Effizienz und Wettbewerb getrimmte Gesundheits- und Sozialpolitik erschwert wird“, klagt Kamran Salimi, stv. Personalratsvorsitzender beim Klinikum und Sprecher der Landesfachkommission Krankenhäuser von ver.di Bayern. Sicher könnten die Fehlentwicklungen nicht inmitten der Krise korrigiert werden. „Aber wir werden, wenn das Schlimmste überstanden ist, unseren Druck für den Ausbau unseres Gesundheits- und Sozialsystems nochmals erhöhen“, kündigt der Gewerkschafter in Übereinstimmung mit dem Offenen Brief an. Es gelte jetzt, zumindest die Lehren zu ziehen. Die Zeit des Rotstiftes der Betriebswirte habe sein Ende zu finden: „Sie gefährdet Personal und Bürger*innen. ver.di drängt seit langem auf eine Reform der Krankenhausfinanzierung, die das System der Fallpauschalen um-stellt auf ein bedarfsgerechtes budgetfinanziertes System.
    „Das Gesundheits- und Sozialsystem müsse bedarfsgerecht umgebaut werden“, bestätigt Petra Betz, Betriebsratsvorsitzende beim AWO Kreisverband Fürth Stadt und Mitglied der Tarifkommission von Ver.di Bayern für die AWO eine weitere zentrale Forderung des offenen Briefes. Die Pflegeversicherung ist, anders als die Krankenversicherung, als eine Teilversicherung konzipiert. ver.di fordert die Ein-führung einer Pflegebürgervollversicherung“, so die Gewerkschafterin.

    „Die Länder müssten ihrer Aufgabe der Investitionsförderung endlich besser nachkommen, das gelte auch für den Freistaat Bayern, und hier nicht nur für den Krankenhausbereich. Auch in der Langzeitpflege herrsche Bedarf, etwa bei der Reno-vierung und dem Ausbau stationärer und ambulanter Pflegeeinrichtungen. Auch der Rettungsdienst gehöre zu den tendenziell unterfinanzierten Bereichen“ so Norbert Jahn Rettungsassistent beim BRK-Kreisverband Fürth und Mitglied der Tarifkommission von ver.di Bayern für das BRK.

    Auch OB Jung und Klinikum Fürth in der Pflicht - Corona-Bonus für alle!

    In einem weiteren gemeinsamen Offenen Brief vom ver.di-Bezirksfachbereich Gesundheit, soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen und des Personalrates beim Klinikum Fürth an Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und das Klinikum Fürth heißt es: “… unsere Kolleg*innen, die unser Gemeinwesen in dieser Krise am Laufen halten, leisten seit Wochen täglich Herausragendes und sind in vielen Fällen auch ho-hen Risiken ausgesetzt. Deshalb haben sie unser aller Respekt verdient! Doch "ver-bale Belobigungen oder Klatschen alleine reichen nicht", vielmehr fordern die Be-schäftigten, dass von Seiten der Klinikumsleitung und der Kommune mehr getan werden müsse, um die Gesundheit der Beschäftigten und Patienten zu schützen, aber auch einen Ausgleich für die zusätzliche Belastung zu schaffen. Dazu gehörten neben einem Arbeitspensum, das bewältigt werden kann, ohne für sich und anvertraute Patient*innen Gefährdungen in Kauf zu nehmen, auch eine entsprechende Entlohnung.
    „Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Beschäftigten der systemrelevanten Branchen in dieser Krise auch eine materielle Anerkennung für diesen außerordentlichen Einsatz verdient haben. Die Zahlung einer einmaligen Prämie von 500 Euro im Monat ausschließlich für Pflegekräfte kann deshalb nur ein Anfang sein, greift aber zu kurz, denn ALLE im Krankenhaus vertretenen Beschäftigten stehen täglich an der ‚Front‘", heißt es in dem Schreiben. Die Beschäftigten untersuchen und versorgen Patienten in den Funktionsabteilungen, reinigen die COVID-19 Stationen, versorgen infektiöse Patienten mit Essen und Trinken, transportieren Patienten zu den Stationen und Abteilungen, fahren Material und kontaminierten Müll durch das Gebäude oder versorgen Patienten im OP oder in den Ambulanzen bzw. auf Station. „Umso unverständlicher ist es, dass die einmalige Bonus-Zahlung von der Bayerischen Staatsregierung ausschließlich Pflegekräften zugebilligt werden soll, während alle andere Berufsgruppen mit mindestens gleicher oder ähnlicher Belastung leerausgehen sollen“, unterstützt Michael Leicht, ebenfalls freigestelltes Personalratsmitglieds beim Klinikum und Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe den Tenor des Offenen Briefes an OB Jung und Klinikumsvorstand Krappmann.
    Die Forderung beziehe sich ausdrücklich auf alle Beschäftigten im Klinikum, da die Corona-Pandemie alle Berufsgruppen außergewöhnlichen Belastungen aussetze. Mit „alle Beschäftigten“ seien ausdrücklich auch die Auszubildenden bzw. Kran-kenpflegeschüler*innen gemeint, „die jetzt in Zeiten der Krise zum einen erhebli-hen Anteil an der Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des Klinikums haben und zum anderen für den Rest ihrer Ausbildung damit zu tun haben werden, die durch den Unterrichtsausfall bedingten Lücken nachzuarbeiten“, konkretisiert ver.di-Sekretär Bytom die Position von ver.di und dem Personalrat.