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    06.03.2020: Wenn Herkunft doch eine Rolle spielt

    Veranstaltung Bundesmigrationsausschuss

    06.03.2020: Wenn Herkunft doch eine Rolle spielt

    Skizze/ Übersicht vom Medindienst Integration © Mediendienst Integration Nennung der Herkunft von Straftätern

    Zur Rolle und Verantwortung der Medien diskutierten auf dem Podium: Thomas Hestermann, Professor an der Hochschule Macromedia, Cornelia Berger, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalist*innen Union in ver.di und Konstantina Vassiliou-Enz, Journalistin und Geschäftsführerin der Neuen deutschen Medienmacher*innen, ein Verein von Medienschaffenden mit und ohne Migrationsgeschichte. Moderiert wurde die Veranstaltung von R. Khan, Gewerkschaftssekretär bei ver.di.

    Podiumsgäste © Ch. Johnson Podiumsgäste

    Massive Verzerrungen in der Berichterstattung
    In seiner Studie hat Journalistikprofessor Hestermann eine überproportionale Nennung von Migranten nachgewiesen:
    „Die Herkunft wird meist nur dann erwähnt, wenn die Tatverdächtigen Ausländer sind.“ Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2018 kommen zwei deutsche Tatverdächtige auf eine Ausländer*in. Im Fernsehen ist das Verhältnis 1:8, in Zeitungsberichten werden ausländische Tatverdächtige bis zu 32 Malso häufig erwähnt, wie es ihrem statistischen Anteil entspricht. Wendepunkt sei die Kölner Silversternacht gewesen. Danach hätte der Deutsche Presserat den Pressekodex geändert – statt Sachzusammenhang
                                                               ist nun das öffentliche Interesse für die Nennung der Nationalität
                                                               ausschlaggebend. Das hätte in der Folge, so Hestermann, zu einer
                                                               Verzerrung in der Berichterstattung geführt, was auch als Zurückweichen
                                                               vor dem Druck der AfD gewertet werden könne.

    Cornelia Berger, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalist*innen Unionin ver.di, verteidigte den im Presserat gefundenen Kompromiss, den Gewerkschaften mitausgehandelt haben, sieht die Entwicklungen seither jedoch kritisch und fordert ein, Verstöße der Redaktionen öfter zu melden und Haltung gegen Hass und Hetze zu zeigen. Konstantina Vassiliou-Enz,von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen, kritisierte die pauschalen Verdächtigungen von ganzen Nationalitäten und rief auf, durch präzise Berichterstattung dem etwas entgegenzusetzen.

    Verantwortung der Medien in der Einwanderungsgesellschaft
    Diskriminierenden Berichterstattung ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt:
    „Wenn in den Medien pauschal die Herkunft von Tatverdächtigen genannt wird, ist das Wasser auf die Mühlen einer wachsenden Gruppe in der Gesellschaft, die glaubt, dass die Gründe für soziale Missstände grundsätzlich in der Frage von Herkunft und Zugehörigkeit zu finden sind.“ Diesen Trend dürften die Medien nicht einfach mitmachen, sondern müssen ihrer Verantwortung nachkommen, in der Einwanderungsgesellschaft auch die Rechte von Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu wahren:
    „Diskriminierung ist eine alltägliche Realität und muss bekämpft werden, nicht legitimiert.“

    Studie vom Mediendienst Integration: https://mediendienst-integration.de/artikel/wie-wichtig-ist-die-herkunft-von-verdaechtigen.html