Migranten und Migrantinnen

    27.07.17: WDR- Sendung: #keineWahl: Wozu überhaupt wählen?

    TV-Sendung

    27.07.17: WDR- Sendung: #keineWahl: Wozu überhaupt wählen?

    Bild von Podiumsdiskussion beim WDR in Köln am 27.07.17 Ch. Johnson ZU Gast beim WDR zum Thema: # Keine Wahl

    27.07.17: WDR- Sendung: #keineWahl:
               Wozu überhaupt wählen?

    Fast acht Millionen der in Deutschland lebenden Menschen haben keinen deutschen Pass und sind somit vom Wahlrecht ausgeschlossen.
    Viele sind hier geboren, zahlen Steuern und Sozialabgaben. Aber ihre Stimme ist nicht gefragt. Sie besitzen auf Bundes- und Länderebene kein Wahlrecht – und auf Kommunalebene nur, wenn sie aus einem EU-Land kommen.

    Es gibt viele Gründe, warum Ausländer in Deutschland keinen deutschen Pass haben. Viele können keinen bekommen, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllen. Etwa, weil sie nur geduldet in Deutschland leben, wenn auch zum Teil schon seit Jahrzehnten. Andere wollen ihn nicht beantragen, weil sie dann ihren bisherigen Pass und damit auch einen Teil ihrer Identität abgeben müssten. Nicht wählen zu dürfen empfinden viele als ungerecht.

    In der 1. Diskussionsrunde wird von den Die WDRforyou-Moderatoren Marwa Eldessouky und Falah Elias im Gespräch mit folgenden Gästen zum Thema:
    Was Ausländer ohne Wahlrecht von der deutschen Politik erwarten. Und was sie ändern würden, wenn Sie mitentscheiden könnten.

    Charlotte Johnson. US-Amerikanerin. Geboren in Deutschland. Engagiert sich, wo immer sie kann: Personalrat, Schwerbehindertenvertretung, in der Frauenarbeit und im Verdi-Migrationsausschuss. Wählen darf sie nicht. Dafür müsste sie ihren US-Pass abgeben. Das will sie aus Verbundenheit zum Land ihres Vaters nicht. Sie wünscht sich mehr Möglichkeiten zur Partizipation.

    Yasemin Fusco. Italienerin mit türkischen und spanischen Wurzeln. Geboren in Deutschland. Studiert in Hamburg. Darf als Europäerin auf kommunaler Ebene wählen. Findet das aber unzureichend und würde auch gerne bei Landtags- und Bundestagswahlen mitentscheiden. Sie findet, der Pass sollte dafür nicht zwingende Voraussetzung sein.

    Mitat Özdemir. Türke.  Lebt seit über 50 Jahren in Deutschland. In seiner Familie haben einige den türkischen, einige den deutschen Pass. Er selbst würde gerne wählen, möchte den Pass seiner Heimat aber nicht abgeben. Deshalb wünscht er sich den Doppelpass.

    Jabbar Abdullah. Syrer. Ist vor dem Krieg geflohen und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Weiß, dass das noch nicht lange ist. Würde sich trotzdem wünschen, irgendwann deutsche Politik mitbestimmen zu dürfen. Als Teil der Gesellschaft sollte man eine Stimme haben.

    Zum Video:
    https://www1.wdr.de/fernsehen/keine-wahl/keine-wahl-monitor-100.html

    Cem ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Genauso wie Charlotte aus Nürnberg oder Hassibe, die hier nur geduldet wird. Sie alle fühlen sich als Deutsche. Aber wählen dürfen sie hier nicht. Rund acht Millionen dürfen in Deutschland nicht wählen, obwohl sie hier leben, auch arbeiten, Steuern zahlen. Ist das gerecht?

    In der 2. Diskussionsrunde sind wir der Frage nachgegangen, ob es richtig ist, das Wahlrecht an die Staatsbürgerschaft zu knüpfen. Und welche Alternativen es geben könnte, auch mit Blick auf Erfahrungen in anderen Ländern.

    Reka Lörincz. Ungarin. Seit 5 Jahren in Deutschland. Darf als EU-Bürgerin auf kommunaler Ebene wählen. Engagiert sich dafür, dass auch Nicht-Europäer dieses Recht bekommen. Und wäre langfristig auch für Ausländer-Wahlrecht auf Landes- und Bundeseben.

    Abdelkarim. Marokkaner. Geboren in Bielefeld. Erfolgreicher Comedian. Darf als Marokkaner nicht wählen. Ist für die Möglichkeit, zwei Staatsbürgerschaften gleichzeitig zu haben.

    Paul Ziemiak. Geboren in Polen. Bundesvorsitzender der Jungen Union. Er möchte, dass das Wahlrecht grundsätzlich an die deutsche Staatsbürgerschaft geknüpft ist.

    Niema Movassat. Sohn iranischer Eltern, geboren im Wuppertal. Sitzt für die Linke im Bundestag: Er möchte, dass Ausländer nach einer bestimmten Zeit in Deutschland auch hier wählen dürfen.

    Memet Kilic. Türkischer Abstammung. War von 2009 bis 2013 für die Grünen im Bundestag. Heute Vorstandsmitglied des Bundeszuwanderungs- und Intergrationsrats. Er würde sich wünschen, dass Ausländer wählen dürfen. Aber nur auf kommunaler Ebene.