Migranten und Migrantinnen

    Mai 2019: Unser Kollege Jahangir Alam vom Migrationsausschuss …

    ver.di PUBLIK / Ausgabe 03/ Spezial/ Migration

    Mai 2019: Unser Kollege Jahangir Alam vom Migrationsausschuss Mittelfranken

    Kollege Jahangir Ch. Johnson Jahangir Alam (Migrationsausschuss Mittelfranken)

    Bei ver.di engagieren sich immer mehr von ihnen für würdiges Arbeiten und soziale Gerechtigkeit.
                              Kollege Jahangir Alam, 22 Jahre,
                        angehender Krankenpfleger aus Nürnberg

    Jahangir wusste nicht, dass es auf Deutschland hinausläuft. Als er 2012 hier ankam, war er gerade 17 geworden. Seine Familie in Bangladesch hatte Schlepper bezahlt, die ihn nach Europa brachten: Damit er die Chance auf ein besseres Leben erhält. Bangladesch ist eines der ärmsten Länder in Südasien, der Hunger für viele Menschen Alltag, echte Jobs gibt es nur wenige. Dem gegenüber steht der extreme Reichtum einer kleinen Elite. Jahangir selbst war unzufrieden mit den politischen Verhältnissen in seiner
                                                               Heimat.

    Für die ersten Monate erhielt der unbegleitete minderjährige Flüchtling einen Platz in einem Heim in Nürnberg. Ein gesetzlicher Vormund wurde bestimmt. Dann fand sich glücklicherweise auch eine ehrenamtliche Patin, die Jahangir bei vielen Problemen des neuen Lebens in Deutschland unterstützte. Sie weckte bei ihm auch das Interesse dafür, beruflich den Weg in den Pflegebereich einzuschlagen. Jahangir lebte nun in einer Wohngruppe für Jugendliche in der fränkischen Großstadt.
    Der schwerste Kampf war der, hier bleiben zu dürfen. Alle drei Monate musste sich Jahangir bei der Ausländerbehörde melden. Das war keine schöne Zeit, sagt er. Nicht immer begegneten ihm die Beamten freundlich. Und immer wieder die Frage: Warum sind Sie hier? Auf die Ablehnung einer Aufenthaltserlaubnis folgten Widerspruch und Duldung.
    Zunächst absolvierte Jahangir die Schule. Am Anfang standen Integrations- und Sprachkurse, am Ende der qualifizierende Hauptschulabschluss. Damit war es ihm möglich, eine Ausbildung als Pflegefach­helfer zu absolvieren. Das tat er mit Erfolg. Jahangir begann eine Tätigkeit am Klinikum Nürnberg. Viereinhalb Jahre nach seiner Ankunft erlangte er endlich auch einen gesicherten Aufenthaltsstatus.

    Lernen, arbeiten, bleiben, anderen helfen
    Jahangir will nicht stehenbleiben: Mittlerweile hat er am Klinikum eine weitere Ausbildung aufgenommen. Wenn alles gut geht, hat er Ende März 2020 den Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Tasche. Im Nürnberger Stadtteil Eibach fand er eine Wohnung, ein eigenes Zuhause.

    Politisch interessiert und aktiv ist Jahangir weiterhin. 2014 beeindruckte ihn ein Besuch des Bayerischen Landtags mit der Quali-Klasse. Kurz darauf trat er in die SPD ein, engagiert sich bei den Jusos. Seit zwei Jahren ist er auch ver.di- Mitglied. Die Gewerkschaft hatte unter den Auszubildenden geworben und traf bei Jahangir auf offene Ohren.
    Jahangir wünscht sich, dass man es den Menschen, die hier leben und etwas leisten wollen, leichter macht, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Er kennt viele mit ähnlichen Schicksalen, die hierzulande bereits voll etabliert sind – und die dennoch nicht eingebürgert werden und kein Wahlrecht besitzen. Gemeinsam mit seiner Patenfamilie hat Jahangir einen Verein also eV gegründet, der die Kinder armer Menschen in Bangladesch unterstützt, die sich das Schulgeld nicht leisten können.

    Für die Amtsperiode 2019 bis 2022 gehört Jahangir, der sich als Mitglied im Bezirksmigrationsausschuss Mittelfranken und Landesmigrationsausschuss Bayern engagiert, auch dem Bundesmigrationsausschuss von ver.di an.
    Am Klinikum Nürnberg kandidierte er zuletzt für die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)
    und wurde zum ersten Ersatzmitglied bestimmt. Von sieben Mitgliedern fällt häufiger jemand aus. Jahangir springt dann ein. Er wird gebraucht – und das fühlt sich gut an.

                                                                                                                                Text: Peter Steiniger