Frauen- und Gleichstellungspolitik

    Internationale Solidarität

    Portugal - Gesellschafts- und Gleichstellungspolitik

    Internationale Solidarität

    Bezirksfrauenrat im Austausch

    Kolleginnen des ver.di Bezirksfrauenrats Mittelfranken besuchen portugiesische Kolleginnen, die sich für Frauenrechte in Portugal und der EU  einsetzen

    Text: Elisabeth Walter

    Die Kontakte zu diesem interessanten frauenpolitischen Informationsaustausch hat die Kollegin Petra Fichtner, Frauensekretärin bei ver.di Mittelfranken i.R. organisiert. So konnten wir einen Tag lang in Lissabon sowohl bei der Kommission für Gleichheit in der Arbeit und der Beschäftigung CITE als auch im portugiesischen Parlament interessante Vorträge über die Gesellschafts- und Gleichstellungspolitik hören sowie intensive Gespräche führen. Begleitet wurden wir von der Kollegin Nidia Figueiredo vom Arbeitsamt in Lissabon / Torres Vedras, die den Kontakt zu CITE hergestellt hat. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, gut ausgebildete portugiesische Jugendliche im Ausland in Arbeit zu bringen und Unternehmen zu requirieren, die sich an diesem Austauschprogramm beteiligen. Eine enorme Hürde für den Austausch mit Deutschland ist, dass deutsche Unternehmen Jugendliche bevorzugen, die bereits Deutschkenntnisse vorweisen können. Doch, wie im gesamten EU-Raum ist Englisch die am meiste gesprochene und gelernte Sprache.

    Zunächst waren wir Gäste bei CITE

    Kollegin M. Rosario.Fidalgo stellte uns die Arbeit und Ziele dieser Organisation vor. Wir konnten feststellen, dass die Frauen- und Gleichstellungsarbeit von ver.di sich fast eins zu eins mit diesen Zielen deckt. Auch in Portugal ist work-life-balance und equal pay gap ( in Portugal nur 15%) ein wichtiges Thema.

    Mit was beschäftigt sich CITE? Hier einige Ausschnitte aus dem Programm von CITE (siehe Homepage):

    • Wir erhalten Klagen und erteilen Ratschläge in Bezug auf Gleichstellung, Sexismus, Rassismus und Antidiskriminierung bei Arbeit und Beschäftigung.
    • Wir kooperieren mit Behörden bei Umsetzung von Gesetzen zur Gleichstellung und Antidiskriminierung der Arbeiter, Angestellten und Auszubildenden.
    • Wir prüfen alle Gerichtsentscheidungen zur Gleichstellung und Antidiskriminierung.
    • Diese Ziele werden durch Kampagnen (Diskussionsveranstaltungen, Videos, Flyer etc.) in die Öffentlichkeit getragen.

    Die anschließende Diskussion zeigte, dass auch in Portugal nur wenige Frauen im gehobenen Management beschäftigt werden.

    Wir wiesen auf unsere Arbeit und die schrittweisen Erfolge in Bezug auf die Besetzung von freien Stellen bei Behörden, bei den Gewerkschaften und in der freien Wirtschaft hin. Auch den bei uns eingeführten Boys- und Girlsday thematisierten wir. Das haben sie gleich als Anregung für ihre Arbeit aufgenommen.

    Besuch im portugiesischen Parlament

    Am Nachmittag begleiteten uns Nidia, Georges und Miguel ins Parlament zu einer Diskussion mit zwei weiblichen Mitgliedern des portugiesischen Parlaments der Partei Bloco de Esquerda (BE) in den Regierungssitz im Palacio de Sao Bento. Die BE hat seit der Wahl 2016 dort 19 Sitze. Die Abgeordneten sind für 4 Jahr gewählt.

    Es ging in dieser Diskussion mit Sandra Cunha und Isabel Pires auch um die Folgen für Frauen bei häuslicher Gewalt. Anders als bei uns werden häufig die Frauen aus der Wohnung gewiesen und wenn sie bleiben wollen, dann können sie den Mietvertrag nicht mehr allein fortführen. Schnelle einstweilige Anordnungen, die dem Aggressor (meistens der Mann) verbieten, sich der Wohnung zu nähern, fehlen als Schutz für die bedrohten Frauen.

    Ferner haben Georges und Sandra zwei unsägliche Gerichtsurteile beschrieben, bei dem z.B. der Richter die Bibel zitierte und damit sein Urteil begründete, dass die Frau zu recht fast totgeschlagen worden war, weil sie durch ihr Verhalten (sie war untreu) die Moral verletzt hatte, die Bibel gestattet dann körperliche Gewalt.

    Das zweite Urteil gab einer Frau die Schuld an der Vergewaltigung, weil sie bei der Tat bewusstlos war, aus welchen Gründen auch immer.

    Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden immer wieder diskriminiert, obwohl im katholischen Portugal es die Ehe für Alle bereits seit 10 Jahren (!!!) gibt. Zum Abschluss durften wir noch einen Rundgang durch den wunderschönen alten Palacio machen und den ehrwürdigen Plenarsaal  mit seinem alten Bilderschmuck und Holzbestuhlung besuchen

    Diese Begegnungen waren ein Highlight und wir können nur allen Reisenden raten, statt nur Sehenswürdigkeiten zu konsumieren, den Dialog mit den Menschen vor Ort zu suchen.

    Es war schön, dass Petra uns mit ihren Portugiesischkenntnissen bei Verständigungsproblemen immer wieder unter die Arme greifen konnte.

    Herzlichen Dank an Alle, die das möglich gemacht, uns begleitet und freundlich aufgenommen haben.

    Wer noch mehr wissen möchte, der/dem empfehlen wir die Homepages unserer Gesprächspartnerinnen:

    Links

    • The Commission for Equality in Labour and Employment (CITE) was created in 1979 in order to fight discrimination and promote equality between women and men in labour, in employment and in vocational training.
      http://cite.gov.pt/en/ourmission.html
      Its main responsibilities are to promote:
      • Equality and non-discrimination between women and men in labour, in employment and in vocational training;
      • Protection of parentality (maternity, paternity and adoption);
      • Reconciliation of professional, personal and family life

    Abgeordnete des Bloco de Esquerda

    • Sandra Cunha
      Deputada e dirigente do Bloco de Esquerda .Professora universitária. Socióloga.
      Abgeordnete und Leiterin des Bloco de Esquerda, Universitätsprofessorin, Soziologin.
      https://www.esquerda.net/autor/sandra-cunha
    • Isabel Pires
      Deputada e dirigente do Bloco de Esquerda. Licenciada em Ciências Políticas e Relações Internacionais e mestranda em Ciências Políticas
      Abgeordnete und Leiterin des Bloco de Esquerda, Uniabschluss in Politischen Wissenschaften und internationalen Beziehungen, Master der politischen Wissenschaften.
      https://www.esquerda.net/autor/isabel-pires