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    Mit Leidenschaft für "Gute Arbeit"

    Mit Leidenschaft für "Gute Arbeit"

    Mit Leidenschaft für „ Gute Arbeit“- Einblicke in die Arbeitswelt eines Gewerkschaftssekretärs

    Für manche  Beschäftigte ist Gewerkschaft etwas Abstraktes. Zeit also  einen Blick hinter die Kulissen der täglichen Arbeit eines Gewerkschaftssekretärs zu werfen. Anbei ein Interview mit dem Fachbereichssekretär des FB 10 Mittelfranken/ Oberfranken-West, David Merck.

    Redaktion: Was macht eigentlich ein Gewerkschaftssekretär?

    David Merck:  Gewerkschaften gestalten zusammen mit ihren Mitgliedern Arbeits- und Lebensbedingungen  im Sinne von Beschäftigten. Im Betrieb gestalten wir sogenannte „Gute Arbeit“ und zusätzlich nehmen wir Einfluss auf die Politik, wie z.B. beim Mindestlohn oder aktuell in der Rentenfrage.

    Redaktion: „Gute Arbeit“ -was ist denn das konkret?

    David Merck: Gute Arbeit ist in unserem Fachbereich:

    • Mitbestimmte Arbeit (z.B. durch Betriebsräte..)
    • Langfristig sichere Arbeit
    • Fair bezahlte Arbeit
    • Arbeit mit Aufstiegschancen
    • Arbeit die nicht krank macht (Deckelung von Arbeitsbelastungen)
    • Arbeit, in der Beschäftigten Wertschätzung entgegengebracht wird.
       

    Redaktion: Und wie setzt der Fachbereich so etwas in der Praxis durch?

    David Merck: Überall dort, wo  Belegschaften ihre Interessen bündeln wollen oder gebündelt haben, werden wir aktiv. Auf der einen Seite unterstützen wir bei  Betriebsratswahlen und beraten und coachen Betriebsräte. Das hilft schon einmal bei Themen wie Arbeitszeit aber auch um z.B. unbefristete Normalarbeitsverhältnisse im Betrieb zu fördern und z.B. Befristungen und Leiharbeit zurückzudrängen. Auf der anderen Seite entwickeln wir zusammen mit den Beschäftigten eine Perspektive um die Tarifbindung durchzusetzen.  Dabei geht es dann um Geld, Kündigungsschutz oder z.B. Regelungen zu Betriebsrente und Altersteilzeit. Um eine Tarifbindung gegen den Willen des Arbeitgebers herzustellen, benötigt man  einen Kern von Aktiven und streikbereite Mitglieder.
     

    Redaktion: Was ist das größte Herausforderung um „ Gute Arbeit“ durchzusetzen?

    David Merck: Man muss den Beschäftigten deutlich vor Augen führen, dass sie nur geschlossen und solidarisch eine Chance haben, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und das die Gewerkschaftsmitgliedschaft dazu gehört. Die Zeiten, in denen ein Gewerkschaftssekretär ohne Mitglieder im Betrieb als Stellvertreter irgendetwas regeln kann sind vorbei, wenn es sie denn jemals gab.

    Redaktion: Nun einmal etwas weniger abstrakt. Was machst du konkret als Gewerkschaftssekretär?

    David Merck: In 50 %  meiner Zeit berate ich Betriebsräte, wie sie aus dem Betriebsverfassungsgesetz das Maximum an „Guter Arbeit“ herauspressen können.  Dazu gibt der Bezirksfachbereich  einen monatlichen Newsletter heraus. Im April z.B. mit dem Thema Leiharbeit und der Frage, wie ich sie im Betrieb eingrenzen kann. Darüber hinaus gibt es überbetriebliche BR-Treffen und selbtsverständlich komme ich auch vor Ort in den Betrieb. Diese Arbeit ist in den letzten 9 Monaten sehr erfolgreich. Mittlerweile bekommen ca. 50 verschieden Betriebsratsgremien den Newsletter und die Vernetzungstreffen sind gut besucht. In  40 % der Zeit versuche ich  in Mitgliederversammlungen zusammen mit den Mitgliedern betriebliche Strategien zu entwickeln. Da geht es vor allem um so Themen wie Tarifbindung und Strategiefindung. Also heraus zu finden, was den Beschäftigten wichtig ist und was man wie zusammen angehen will .

    Redaktion: Was sind die Folgen solcher Treffen?

    David Merck:

    1. Uns gelingt es in Bayern im Schnitt alle 1-2 Monate eine Firma in die Flächentarifbindung zu bekommen. Allein in Nürnberg sind in den  letzten Monaten zwei Firmen in die Tarifbindung gekommen.  Will heißen: Im Logistikbereich in Bayern steigt die Tarifbindung.
    2. Man entwickelt gemeinsame Handlungs- und Aktionspläne. Z.B. sind so in Nürnberg in den letzten 6 Monaten  bei einem Unternehmen eines DAX 30 Konzerns massive Verbesserungen bei Arbeitszeiten, bei Aufstiegschancen und Arbeitskleidung erreicht werden. Ohne die Rückkoppelung und die Unterstützung der Belegschaft wäre dies nie möglich gewesen

    Redaktion: Und was machst Du in den restlichen 10 % Deiner Arbeitszeit?

    David Merck: Naja, da geht es um Weitebildung  und  um strategische Themen.  Ein Beispiel: Die IG Metall hat per Tarifvertrag die Höchstüberlassungsdauer von Leiharbeitnehmern mitsamt betrieblicher Öffnungsklausel von 18 auf max. 48 Monate erhöht. Nun kommen die Arbeitgeberverbände auf uns zu.  Hierzu gilt es eine Position zusammen mit den Funktionären zu entwickeln. Hilft das unseren Beschäftigten? Wollen wir das?  Was sind die Handlungsoptionen?  Ein anderes Beispiel ist das Thema Arbeitszeit, wo Arbeitgeberverbände das Ende der werktäglichen Höchstarbeitszeit von 10 Stunden fordern. Hierzu gilt es klare Positionen zu entwicklen und dann ebenso klare Kante zu zeigen.

    Redaktion: Eine letzte Frage: Was treibt dich persönlich  an ?

    David Merck: Die Leidenschaft für „Gute Arbeit“, der Spass in der Zusammenarbeit mit Menschen und die Freude über erzielte Erfolge. Ein Highlight war dabei sicher die massive Aufwertung der Arbeit in unserem Bereich im Rahmen der letzten Tarifrunde.

    Redaktion: Danke für das Gespräch.